Harmonielehre 1: Dur-Tonleiter

◀ Übersicht         Nächste Lektion ▶

Schnellgang: Was man auf dieser Seite lernt

Wer das schon weiß, darf die Lektion überspringen.

Der Abstand zwischen zwei Tönen

Töne stehen in Abständen zueinander. Wenn zwei Töne gleich sind, haben sie keinen Abstand - obwohl es selbst für diesen Null-Abstand einen Fachbegriff gibt (Prime).

Wer ein Saiteninstrument mit Bünden (Gitarre, Bass, Mandoline, Banjo etc.) zur Verfügung hat, kann dieses für diesen Abschnitt verwenden. Man braucht dazu nur eine Saite und muss das Instrument auch gar nicht spielen können.

Der kleinste echte Abstand zwischen zwei Tönen ist in unserer Kultur ein halber Ton. An der Gitarre sieht man die Abstände der Töne am Besten, weil es ja die Bundstäbchen gibt. Wenn man eine beliebige Saite leer anschlägt, erklingt ein Ton. Greift man die Saite nun im ersten Bund, wird der Ton um einen halben Ton höher. Rutscht man einen Bund weiter in Richtung Gitarrenkorpus, dann wird der Ton wieder einen halben Ton höher. Rutscht man zwei Bünde so wird der Ton einen ganzen Ton höher.

Wenn man im zwölften Bund angekommen ist, hört man im Prinzip wieder den gleichen Ton wie bei der Leersaite - nur eine Oktave höher. Eine Oktave ist also ein Abstand von zwölf Halbtönen. Der Name Oktave kommt vom lateinischen octava (die Achte), weil bei gebräuchlichen Tonleitern die achte Stufe eben jene zwölf Halbtöne über dem Grundton liegt. Die Töne im Abstand einer Oktave (12 Halbtönen) klingen gleich; so, wie wenn ein Mann und eine Frau die gleiche Melodie zusammen singen: Das eine klingt höher, obwohl es eigentlich die gleichen Töne sind. Für physik-interessierte: Die Oktave (der Ton im zwölften Bund der Gitarre) hat genau die doppelte Grundfrequenz wie der Grundton (der Ton der Leersaite).

Merke: Es gibt insgesamt nur 12 verschiedene Töne.

Zunächst brauchen wir die noch nicht mal alle.

Die C-Dur-Tonleiter

Denken wir uns eine Gitarre mit nur einer Saite, die auf den Ton C gestimmt ist. Wenn wir die Saite leer anschlagen, ertönt der Ton C. (Für den Lerneffekt ist es übrigens völlig egal, wenn die Saite auf einen anderen Ton gestimmt ist.) Eine für unsere Ohren recht harmonische Abfolge von Tönen ergibt sich, wenn wir folgende Bünde auf der Saite nacheinander greifen und die sie dann anschlagen:

1. Ton: Leere Saite (sozusagen 0. Bund)
2. Ton: Im 2. Bund greifen
3. Ton: Im 4. Bund greifen
4. Ton: Im 5. Bund greifen
5. Ton: Im 7. Bund greifen
6. Ton: Im 9. Bund greifen
7. Ton: Im 11. Bund greifen
8. Ton: Im 12. Bund greifen

Die ersten fünf Töne sind uns von »Alle meine Entchen« bekannt. Die ganze Reihe kennen wir vielleicht vom Hörensagen als »Tonleiter«, genau genommen ist es auch die C-Dur-Tonleiter:
C, D, E, F, G, A, B, c

Falls es verwundert, dass die Reihe mit einem kleinen c endet: Nach dem B kommt wieder ein C, damit die Tonleiter einen schönere Abschluss hat. Weil dieses C aber schon der Beginn der nächsten Oktave ist (darüber mehr in der nächsten Lektion), somit also höher klingt als das C am Start der Tonleiter, wird hier das kleine c angegeben. Es ist ja praktisch ein anderer Ton.

Es ist wichtig, die Abstände der Töne innerhalb einer Tonleiter zu kennen. Ein Bund auf der Gitarre ist immer noch ein halber Ton, zwei Bünde ein Ganzer. Im Folgenden stehen die kleinen vertikalen Striche für die Bundstäbchen der Gitarre (oder auch für ein Halbton-Raster). Darauf schauen wir uns die Abstände in der C-Dur-Tonleiter einmal dar:

1           2           3     4           5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|
c           d           e     f           g           a           b     c

                        Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|

(Tonabstände: Durtonleiter hat Halbtonschritte von 3 nach 4 und 7 nach 8)

Bei der Dur-Tonleiter ist der Abstand zwischen der dritten und vierten Stufe sowie der Abstand zwischen der siebten und achten Stufe jeweils nur ein halber Ton.

Merke:

G-Dur

Wir haben schon eine Menge gelernt:

  1. Die Töne heißen C, D, E, F, G, A, B (danach kommt wieder C etc.)
  2. Der Abstand zweier benachbarter Töne ist normalerweise ein ganzer Ton (Gitarre: zwei Bünde); lediglich zwischen E und F sowie zwischen B und C ist nur ein halber Ton Abstand (Gitarre: ein Bund).
  3. Dur-Tonleitern haben die Halbtonschritte von Stufe drei nach Stufe vier und von Stufe sieben nach Stufe acht.

Unsere Tonleiter (oder das Lied »Alle meine Entchen«) muss aber nicht immer auf dem Ton C beginnen. Vielleicht will man ein Stück ja höher oder tiefer singen, oder es klingt einfach schöner in einer anderen Tonart. Dann wird einfach ein anderer Start-Ton (Grundton) gewählt. Beginnen wir doch statt auf C einmal auf dem Ton G. Schreiben wir also die Töne mal von G bis g auf:
G - A - B - C - D - E - F - g

Die Abstände der Töne bleiben unveränderlich so, wie sie in der C-Dur-Tonleiter oben gezeigt sind. Die Töne E unf F sowie die Töne B und C liegen nur einen halben Ton (einen Bund auf der Gitarre) auseinander; der Abstand zwischen allen anderen benachbarten Tönen ist jeweils ein ganzer Ton (zwei Bünde auf der Gitarre). Schauen wir uns mal die Abstände von G bis g an und sehen, wo die Halbtonschritte zu liegen kommen:

1           2           3     4           5           6     7           8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|
G           A           B     C           D           E     F           g 

                        Halbton                       Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|--n--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|

(Tonabstände: Noch keine Durtonleiter - Halbtonschritte liegen falsch)

Das ist irgendeine Tonleiter, aber keine Dur-Tonleiter. (Es interessiert uns hier gar nicht, aber es handelt sichum »G mixolydisch«.) Sie klingt gegen Ende eher ungewöhnlich. Das hat einen Grund:

Eine Tonleiter bekommt ihren Charakter durch die Halbtonschritte an der richtigen Stelle. Die unseren Ohren sehr vertraute Dur-Tonleiter hat einen Halbtonschritt von Stufe 3 nach Stufe 4 und einen weiteren von Stufe 7 nach Stufe 8. Damit das in C-Dur so ist, hat man ja festgelegt, dass F nur einen halben Ton über E liegt und c nur einen halben Ton über B. Jetzt haben wir aber unsere Tonleiter mit G beginnen lassen. Zufällig liegt der erste Halbtonschritt hier auch zwischen den Stufen 3 und 4. Das darf so bleiben, weil das ja zur Dur-Tonleiter gehört. Aber am oberen Ende klingt unsere Tonleiter ungewohnt, weil der zweite Halbtonschritt statt von Stufe 7 nach 8 jetzt von 6 nach 7 liegt. Da muss etwas geschehen.

Jetzt müssen wir also mit minimalem Aufwand dafür sorgen, dass der zweite Halbtonschritt nicht mehr von Stufe 6 nach 7, sondern von 7 nach 8 geht. Die Lösung dafür ist einfach: Wir erhöhen die 7. Stufe (das F) um einen halben Ton, dann stimmt es wieder. Das um einen halben Ton erhöhte F schreibt man F#.

Die Schreibweise mit dem Kreuz (#) kmmt daher, dass man im klassischen 5-Linien-Notensystem einer Note ein Doppelkreuz voranstellt, um sie um einen halben Ton zu erhöhen. (Und weil es dort vor der Note steht, nennt zählt man es zu den Vorzeichen - genau wie das später beschreibene b). Das Doppelkreuz nennt man in der Musik übrigens einfach nur »Kreuz«. Wenn man außerhalb des Notensystems, also als Text, erhöhte Noten angeben will, hängt man das Kreuz lediglich hinten an den Namen des Ausgangstons an. Im gesprochenen Deutsch sagt man aber nicht »F Kreuz«, sondern hängt die Endung »is« an den Namen der Note. Das um einen halben Ton erhöhte F, also F#, wird demnach »Fis« ausgesprochen. Im Englischen wird das Kreuz übrigens als »sharp« gelesen. Unser Fis heißt also in englischsprachiger Umgebung »F sharp«.

Wenn wir also die siebte Stufe (das F) um einen halben Ton erhöhen (zu F#), dann haben wir die Halbtonschritte da, wo sie für eine Dur-Tonleiter sein müssen, nämlich von Stufe 3 nach 4 und von 7 nach 8. Jetzt sieht es aus - und klingt auch - wie eine Dur-Tonleiter:

1           2           3     4           5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----------|-----|
G           A           B     C           D           E           F#    g

                        Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|

(Tonabstände: Jetzt ist eine Durtonleiter - Halbtonschritte 3-4 / 7-8)

Jetzt ist es eine Dur-Tonleiter, weil die Halbtonschritte von 3 nach 4 und von 7 nach 8 liegen.

Wenn Kreuze verwendet werden, um die Halbtonschritte zurecht zu biegen, spricht man von Kreuz-Tonarten. Es sei erwähnt, dass eine Tonart als Vorzeichen entweder nur Kreuze oder nur Bs hat. Letzteres sind dann die B-Tonarten. Warum es die geben muss, d.h. warum es nicht sinnvoll isst, alle Tonarten mithilfe von Kreuzen zu gestalten, sehen wir später.

Weitere Kreuz-Tonarten

Auf der Suche nach D-Dur sehen wir uns die Tonleiter mal beginnend auf dem Ton D an:

1           2     3           4           5           6     7           8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|
D           E     F           G           A           H     C           d

            Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|-----|-----------|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|

(Tonabstände: Die Halbtonschritte sind so nicht die einer Dur-Tonleiter.)

Die Halbtonschritte liegen jetzt zwischen zweiter und dritter Stufe sowie zwischen sechster und siebter Stufe. Damit ist es keine Dur-Tonleiter. (Auch diese hat einen Namen, den wir uns nicht zu merken brauchen: D dorisch.) Wenn man diese Töne auf der D-Saite einer Gitarre spielt (also Leersaite und dann gegriffen in Bund 2, 3, 5, 7, 9, 10 und 12), klingt es nicht nach dem vertrauten Dur-Geschlecht. Wie bekommen wir es hin, dass die Halbtonschritte von 3 nach 4 und von 7 nach 8 gehen? Wenn wir das F um einen halben Ton zu F# (Fis) erhöhen und das C ebenfalls zu C# (Cis) erhöhen, dann haben wir eine D-Dur-Tonleiter; die Halbtonschritte liegen dann wie gefordert.

1           2           3     4           5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----------|-----|
D           E           F#    G           A           B           C#    d

                        Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|

(D-Dur: Zwei # für den Dur-Charakter: Halbtonschritte jetzt 3-4 und 7-8)

Alle Kreuztonarten

So gesehen kann man also auf jedem Ton beginnen. Mit entsprechenden Erhöhungen (Kreuzen, die einen Ton um einen halben Ton erhöhen) wird dann jeweils sichergestellt, dass die Halbtonschritte an den richtigen Stellen (von Stufe drei nach vier und von Stufe sieben nach acht) liegen. Im Folgenden sind die dazu benötigten Erhöhungen zusammengestellt.

Tonart    Erhöhungen  Erhöhte Töne
C-Dur(keine)-
G-Dur#F#
D-Dur# #F#, C#
A-Dur# # #F#, C#, G#
E-Dur# # # #F#, C#, G#, D#
B-Dur# # # # #F#, C#, G#, D#, A#
Fis-Dur# # # # # #   F#, C#, G#, D#, A#, E#

Zur letzten Zeile in obiger Tabelle sei erklärt: Hier taucht der Ton E# auf, also ein um einen halben Ton erhöhtes E. Wer aufmerksam gelesen hat wird merken: Der Abstand von E zu F ist »von Natur« nur ein halber Ton. Wenn man den Ton E um einen halben Ton erhöht, also E# bildet, erhält man einen Ton, der exakt auf der gleichen Höhe wie F liegt. Das E# ist also das gleiche wie f. Das nennt man auch enharmonische Verwechslung. Es gibt auf dem Klavier z.B. keine separate Taste für das E#. Um in F#-Dur den Ton auf der siebten Stufe zu spielen (e#), spielt man ein F. Aber keine Angst: Tonarten wie F#-Dur sind nicht gerade gebräuchlich und sie sind hier auch nur im Rahmen der Vollständigkeit und des Detail-Verständnisses gelistet.

Die noch fehlenden Dur-Tonarten?

Nun ist die Frage erlaubt, wo denn die anderen Tonarten sind. Oben sehen wir nur sieben (C, G, D, A, E, B, F#). Es gibt ja insgesamt 12 Töne:

1     2     3     4     5     6     7     8     9     10    11    12
C     C#    D     D#    E     F     F#    G     G#    A     A#    B     c
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|

(Es gibt zwölf verschiedene Töne, die im Halbton-Abstand zueinander liegen.)

Wie geht das also mit den Dur-Tonleitern, die auf den Tönen F, A#, D# u.s.w. beginnen; also wie bildet man F-Dur, A#-Dur etc.? Nun, man könnte obige Liste einfach weiterschreiben, aber dann kämen eine Menge Kreuze und enharmonische Verwechslungen. Man muss hier nicht ins Detail gehen. Wer nicht Neugierig ist, kann gerne den nächsten Abschnitt überspringen und beim Abschnitt »F-Dur« weiterlesen.

Wir schauen uns mal A#-Dur an. Welche Kreuze braucht man, damit die Tonfolge ab A# eine Dur-Tonart wird, also die Halbtonschritte 3-4 und 7-8 hat? Die Grundbezeichnungen der Noten bleiben in der Abfolge wie gehabt - also C, D, E, F, G, A, B - und bekommen dann die erforderlichen Kreuze. Hinweis: Wird ein bereits erhöhter Ton (z.B. c#) nochmals erhöht, bekommt er ein zweites Kreuz als Vorzeichen (C##, ausgesprochen Cisis).

1           2           3     4           5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----------|-----|
A#          B#         C##    D#          E#         F##         G##   A#
           (=C)        (=D)              (=F)        (=G)        (=A)
                        Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|

(A#-Dur: Hier wird es ungemütlich mit den Kreuztonarten.)

Der pfiffige Leser wird nun denken: Es würde sich doch viel einfacher lesen, wenn die enharmonische Verwechslung ohne Vorzeichen verwendet würde, also wenn wir statt Bis einfach C sagen oder statt Fisis G. Diese enharmonischen Verwechslungen, in folgender Tabelle als alternative Bezeichung angegeben, wären wie folgt:

                    |   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |   |
            Stufe:  1       2       3   4       5       6       7   8    
Ton der Tonleiter:  A#      H#     C##  D#      E#     F##     G##  a#
 Alternative Bez.:  A#      C       D   D#      F       G       A   a#

Hand auf's Herz: Die folgende Abfolge von Tönen kommt einem nicht wie eine Tonleiter vor: Ais, C, D, Dis, F, G, A, Ais. Wenn man das so liest glaubt man, es fehlen Töne (B, E) und andere sind irgendwie doppelt - mal normal und mal erhöht (D und D#, A und A#). Da hat man bei der eigentlichen A#-Dur-Tonleiter eher das Gefühl, dass alle Töne einer Tonleiter genannt werden: Ais, Bis, Cisis, Dis, Eis, Fisis, Gisis, Ais - das klingt nach einer kompletten Tonart, wenn auch alles andere als schön.

F-Dur

Um die Komplexität zu vieler Kreuze und enharmonischer Verwechslungen zu umgehen, bilden wir die bisher noch nicht vorgestellten Dur-Tonarten, indem wir nicht weiter Töne erhöhen - mit dem Kreuz (#) -, sondern indem wir Töne erniedrigen, bis es passt. Dazu benutzen wir das B (b). Wie das Kreuz auch, wird das b im Fünf-Linien-Notensystem einer Note vorangestellt, um ihre Tonhöhe zu verändern. Es ist also auch ein Vorzeichen. Während das Kreuz die Note um einen halben Ton erhöht, erniedrigt das b sie um einen halben Ton. Für die Bezeichnung erniedrigter Töne gibt es auch eine Nachsilbe: Während wir erhöhten Noten ein »is« anhängen (also für F# Fis sagen), ist das bei erniedrigten Tönen ein »es« (Db spricht man Des) beziehungsweise bei Vokalen nur ein »s« (Eb spricht man Es). Wir sehen das gleich.

Wir erniedrigen also jetzt Töne, um die Halbtonschritte an die richtige Stelle zu bekommen. So, wie wir die obigen Tonarten als Kreuztonarten bezeichnet haben, folgen jetzt die B-Tonarten, beginnend mit dem Beispiel F-Dur.

Beginnen wir mit der Tonfolge von F bis f:

1           2           3           4     5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|
F           G           A           B     C           D           E     F

                                    Halbton                       Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|

(Tonabstände: Noch keine Durtonleiter wegen Lage des 1. Halbtonschrittes)

Eine Dur-Tonleiter hat die Halbtonschritte zwischen 3. und 4. Stufe sowie zwischen 7. und 8. Stufe. Letzteres ist oben bereits gegeben. Um den anderen Halbtonschritt (noch von 4 nach 5) einen halben Ton herunter zu bewegen, kommen wir mit Erhöhungen (#) nicht wirklich weiter. Das einfachste ist, die 4. Stufe einen halben Ton zu erniedrigen. Damit erhalten wir einen Halbtonschritt von 3 nach 4 und vergrößern den Abstand on 4 nach 5 auf einen Ganzton.

1           2           3     4           5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----------|-----|
F           G           A     Bb          C           D           E     F

                        Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|

(Tonabstände: Jetzt ist es eine Durtonleiter - Halbtonschritte 3-4, 7-8)

Weil wir eine Erniedrigung - also ein b - verwenden, um eine Dur-Tonart daraus zu machen, gehört F-Dur zu den B-Tonarten.

Alle B-Tonarten

Wir haben oben gesehen, wie wir die Dur-Tonleitern auf C, G, D, A, E, B, Fis und jetzt auch F aufbauen. Damit fehlen nur noch fünf weitere, die nach dem gleichen Schema gebildet werden. Hier die entsprechende Tabelle:

Tonart    Erniedrigungen  Erniedrigte Töne
F-DurbBb
B-Durb bBb, Eb
Es-Durb b bBb, Eb, Ab
As-Durb b b bBb, Eb, Ab, Db
Des-Durb b b b bBb, Eb, Ab, Db, Gb
Ges-Durb b b b b b bBb, Eb, Ab, Db, Gb, Cb

Alle Dur-Tonarten (Kreuz- und B-Tonarten)

Wer nachzählt wird feststellen, dass ich 13 Dur-Tonleitern vorgestellt habe, obwohl es doch nur 12 Töne gibt. Der Grund: Ges-Dur ist eine enharmonische Verwechslung von Fis-Dur. Übrigens wird in Ges-Dur der Ton C zu Ces vermindert. Man bedenke, dass Ces eine enharmonische Verwechslung von H ist. Man braucht sich mit Fis- und Ges-Dur nicht allzuviel zu beschäftigen, aber weil es interessant ist hier mal die beiden Tonarten, die ja exakt gleich klingen:

1           2           3     4           5           6           7     8
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----------|-----|
Fis         Gis         Ais   B           Cis         Dis         Eis   fis
Ges         As          Bb    Ces         Des         Es          F     ges

                        Halbton                                   Halbton
|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|--Ganzton--|--Ganzton--|--Ganzton--|-----|
(F#-Dur und Gb-Dur liegen praktisch aufeinander, klingen also gleich.)

Um zuguterletzt die Frage nach Ais-Dur zu beantworten: Wer B-Dur hat, hat auch Ais-Dur, weil es sich auch hier um eine enharmonische Verwechslung handelt. Die beiden sind deckungsgleich. Anstatt die hochkomplexe Kreuztonart Ais-Dur mit ganzen neun Kreuzen zu bilden (wie weiter oben erklärt), komponieren oder arrangieren wir doch lieber in B-Dur - mit exakt dem gleichen Ergebnis.

Im folgenden nochmal eine Übersicht mit den möglichen Tonarten auf allen zwölf existierenden Tönen. Die in Klammern sind tunlichst zu vermeiden - stattdessen nehme man die Alternative (enharmonische Verwechslung), die nicht in Klammern steht und weniger Vorzeichen hat. Wenn Gitarristen ein Arrangement schreiben kommt es durchaus vor, dass sie - so sie diese Seite nie gelesen haben - ein Stück in Gis-Dur arrangieren. Denn sie wissen nicht, was sie spielen. :-)

1     2     3     4     5     6     7     8     9     10    11    12
|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|-----|
C     Db    D     Eb    E     F     Gb    G     Ab    A     Bb    B     c
     (C#)        (D#)               F#         (G#)        (A#)

◀ Übersicht         Nächste Lektion ▶